|
Hin und wieder begegnen uns Menschen die fünf, sechs, ja sogar sieben Sprachen sprechen und problemlos von einer in die andere Sprache wechseln. Wie ist dies möglich?

Das größte Sprachgenie aller Zeiten und bis heute der absolute Rekordhalter ist Kardinal Giuseppe Mezzofanti (1774-1849). Er stammte aus einer armen kinderreichen Familie und fiel bereits in der Schulzeit durch sein außerordentliches Sprachtalent auf. Im Alter von zwölf Jahren beherrschte er nahezu zehn Sprachen. Im Laufe seines Lebens eignete sich Mezzofanti, der selbst Italien nie verließ, 38 Sprachen an, die er perfekt sprach, weitere 30 Sprachen, wo ihm hin und wieder ein kleiner Fehler passierte und 50 Dialekte. Zur ersten Kategorie gehörten Hebräisch, Arabisch, Armenisch, Persisch, Türkisch, Griechisch, Latein, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Russisch, Ungarisch und Chinesisch.
Als weiterer Polyglott der Geschichte gilt Sir Richard Francis Burton (1821-1890). Im Alter von 19 Jahren sprach er fließend Französisch, Griechisch, Italienisch, Latein und zwei Dialekte. Er lebte acht Jahre lang in Indien und erlernte in dieser Zeit Arabisch, Hindi, Marathi, Sindhi, Punjabi, Telugu, Pashto und Multani. Im Laufe seines Lebens erlernte er an die 30 Sprachen und 15 Dialekte. Seine Übersetzungen sind sehr umfangreich; die berühmtesten Werke sind “The Perfumed Garden” und “The Arabian Nights”.
Johann Vandewalle, ein 26jähriger Architekt aus Brügge steht dem Sprachgenie aus dem 19. Jahrhundert in nichts nach. Er wurde kürzlich von einer internationalen Jury mit dem “Preis von Babel” ausgezeichnet, weil er 31 Sprachen beherrscht, darunter 22 lebende. Die neun toten Sprachen konnte das Preisgericht nicht überprüfen - mangels eigener Kenntnisse. Es sind so erlesene Sprachen darunter wie Alt-Osmanisch, Orchon-Türkisch oder Tschagathaisch. Vandewalles Lieblingssprache ist Türkisch, weil diese Sprache für ihn an logischer Schönheit allen anderen Sprachen weit überlegen ist. Von der deutschen Sprache ist er nicht begeistert. “Englisch, Französisch, Russisch und Deutsch” sagt er, “das sind so die unvermeidlichen langweiligen Hilfssprachen.” Offenbar denken Sprachgenies in anderen Dimensionen.
|